Finanzen

Fremdkapital

Geliehenes Geld zur Finanzierung des Kaufs

Redaktionell geprüft

Das Fremdkapital ist der Motor der Immobilieninvestition und ermöglicht es Anlegern, mit einem Bruchteil des Kaufpreises Immobilienvermögen aufzubauen. Die kontrollierte Nutzung von Fremdkapital erzeugt den sogenannten Leverage-Effekt, der die Eigenkapitalrendite vervielfachen kann. Gleichzeitig birgt eine zu hohe Fremdkapitalquote Risiken, die deutsche Investoren sorgfältig abwägen müssen.

Fremdkapitalquellen für Immobilieninvestoren

Die wichtigste Fremdkapitalquelle für Immobilieninvestoren ist das klassische Bankdarlehen (Annuitätendarlehen), das durch eine Grundschuld auf die Immobilie besichert wird. Daneben existieren weitere Finanzierungsquellen: KfW-Förderdarlehen bieten günstige Konditionen für energieeffiziente Sanierungen oder Neubauten. Bauspardarlehen können als zweite Finanzierungsschicht eingesetzt werden. Privatkredite von Familienangehörigen oder Gesellschafterdarlehen bei GmbH-Strukturen erweitern den Spielraum zusätzlich.

  • Bankdarlehen: Hauptfinanzierung, 60-80% des Kaufpreises, Grundschuld als Sicherheit
  • KfW-Förderdarlehen: Zinsgünstig, für energetische Sanierung und Neubau, bis 150.000 €
  • Bauspardarlehen: Zweite Finanzierungsschicht, fest verzinst, Zuteilung nach Ansparphase
  • Privatdarlehen: Familienangehörige, oft nachrangig, flexible Konditionen

Beleihungswert und Beleihungsauslauf

Der Beleihungswert ist der Wert, den die Bank der Immobilie zuordnet, und liegt typischerweise 10-20% unter dem Kaufpreis (Sicherheitsabschlag). Der Beleihungsauslauf (LTV – Loan to Value) beschreibt das Verhältnis zwischen Darlehen und Beleihungswert. Bei einer 80%-Finanzierung des Kaufpreises und einem Beleihungswert von 90% des Kaufpreises liegt der Beleihungsauslauf bei ca. 89%. Diese Unterscheidung ist wichtig, da Banken ihre Konditionen am Beleihungsauslauf und nicht am Kaufpreis orientieren.

  1. Schritt 1: Kaufpreis ermitteln (z.B. 300.000 €)
  2. Schritt 2: Bank ermittelt Beleihungswert (z.B. 270.000 € = 90% des Kaufpreises)
  3. Schritt 3: Gewünschtes Darlehen festlegen (z.B. 240.000 € = 80% des Kaufpreises)
  4. Schritt 4: Beleihungsauslauf berechnen: 240.000 € ÷ 270.000 € = 88,9%
  5. Schritt 5: Bank ordnet Zinskonditionen nach Beleihungsauslauf zu

Risiken der Fremdfinanzierung

Fremdkapital verstärkt nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste. Die Hauptrisiken sind: Zinsänderungsrisiko bei Anschlussfinanzierung, Leerstandsrisiko (Kreditrate muss weitergezahlt werden), und Wertverlust der Immobilie (negative Eigenkapitalposition möglich). Besonders gefährlich ist die Kombination aus hoher Fremdkapitalquote und kurzer Zinsbindung. Investoren sollten Stresstests durchführen: Was passiert, wenn der Zins um 2% steigt, wenn die Immobilie 3 Monate leer steht, oder wenn eine größere Sanierung ansteht?

Praxisbeispiel

Kauf einer Wohnung für 250.000 € in Köln. Eigenkapital: 62.500 € (25%) + Nebenkosten 30.000 €. Fremdkapital: 187.500 € (75% LTV). Bankdarlehen: 187.500 € bei 3,5% Zinsen, 2% Tilgung, 15 Jahre Zinsbindung. Monatliche Rate: 859 €. Monatliche Mieteinnahme: 850 €. Nach Abzug nicht umlegbarer Kosten (150 €/Monat) ergibt sich ein negativer Cashflow von −159 €/Monat. Steuerlicher Effekt: Zinskosten (6.562 €) + AfA (3.500 €) = 10.062 € Werbungskosten, bei 42% Grenzsteuersatz Steuerersparnis ca. 4.226 €/Jahr = 352 €/Monat. Effektiver Cashflow nach Steuern: +193 €/Monat.

Tipps

  • Führen Sie vor jeder Finanzierung einen Stresstest durch: Kalkulieren Sie den Cashflow mit 2% höheren Zinsen und 3 Monaten Leerstand pro Jahr, um sicherzustellen, dass Sie das Darlehen auch unter ungünstigen Bedingungen bedienen können.
  • Nutzen Sie die steuerliche Absetzbarkeit von Schuldzinsen bei vermieteten Immobilien strategisch – ein höherer Fremdkapitalanteil kann die Steuerlast senken und den Netto-Cashflow verbessern.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die optimale Fremdkapitalquote für Immobilieninvestoren?

Die optimale Fremdkapitalquote liegt für die meisten Investoren bei 70-80% des Kaufpreises. Bei dieser Quote erhalten Sie noch gute Zinskonditionen, profitieren vom Leverage-Effekt und behalten ausreichend Sicherheitspuffer. Eine höhere Quote (85-90%) steigert die Eigenkapitalrendite, erhöht aber das Risiko und die Zinskosten. Eine niedrigere Quote (50-60%) bietet maximale Sicherheit und Cashflow, reduziert aber den Rendite-Hebel.

Können Zinsen für Fremdkapital steuerlich abgesetzt werden?

Ja, bei vermieteten Immobilien sind sämtliche Darlehenszinsen als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abzugsfähig. Dies gilt für das Bankdarlehen ebenso wie für KfW-Darlehen oder Bauspardarlehen. Die Tilgung ist hingegen nicht abzugsfähig. Dieser steuerliche Vorteil ist einer der Hauptgründe, warum Immobilieninvestoren bewusst mit Fremdkapital arbeiten und die Tilgung moderat halten.

Was passiert, wenn ich das Darlehen nicht mehr bedienen kann?

Bei Zahlungsschwierigkeiten sollten Sie sofort das Gespräch mit der Bank suchen. Mögliche Lösungen sind Tilgungsaussetzung, Laufzeitverlängerung oder eine vorübergehende Reduzierung der Tilgung. Bleibt die Zahlung dauerhaft aus, kann die Bank die Grundschuld verwerten, was zur Zwangsversteigerung führen kann. In diesem Fall haftet der Kreditnehmer mit seinem gesamten Vermögen, wenn der Erlös nicht zur Deckung der Restschuld ausreicht. Daher sind ausreichende Reserven und ein konservativer Finanzierungsansatz essenziell.