Finanzen

Annuität

Feste monatliche Zahlung aus Zinsen und Tilgung

Redaktionell geprüft

Die Annuität ist das Herzstück der deutschen Immobilienfinanzierung und beschreibt die gleichbleibende monatliche Rate aus Zins- und Tilgungsanteil. Das Annuitätendarlehen ist mit Abstand die häufigste Darlehensform in Deutschland und bietet Investoren die Sicherheit einer konstanten monatlichen Belastung. Das Verständnis der Annuitätenberechnung ist fundamental, um Finanzierungsangebote richtig zu bewerten und die optimale Struktur zu wählen.

Funktionsweise des Annuitätendarlehens

Beim Annuitätendarlehen bleibt die monatliche Gesamtrate (Annuität) über die gesamte Zinsbindungsdauer konstant. Innerhalb dieser konstanten Rate verschiebt sich jedoch das Verhältnis von Zins- und Tilgungsanteil kontinuierlich. Am Anfang ist der Zinsanteil hoch und der Tilgungsanteil gering, da die Zinsen auf die volle Darlehenssumme berechnet werden. Mit jeder Zahlung sinkt die Restschuld, wodurch der Zinsanteil abnimmt und der Tilgungsanteil automatisch steigt. Dieser Effekt beschleunigt die Entschuldung über die Laufzeit.

  • Konstante Rate: Die monatliche Zahlung bleibt während der Zinsbindung gleich
  • Sinkender Zinsanteil: Berechnet auf die stetig sinkende Restschuld
  • Steigender Tilgungsanteil: Wächst automatisch, da die Gesamtrate gleich bleibt
  • Progressiver Effekt: Die Tilgungsgeschwindigkeit nimmt über die Jahre zu

Annuitätenberechnung und Formel

Die Annuität berechnet sich aus der Summe des vereinbarten Zinssatzes und der anfänglichen Tilgungsrate, multipliziert mit dem Darlehensbetrag. Die Formel lautet vereinfacht: Jährliche Annuität = Darlehensbetrag × (Zinssatz + anfängliche Tilgungsrate). Die monatliche Rate ergibt sich durch Division durch 12. Wichtig ist zu verstehen, dass die 'anfängliche Tilgungsrate' nur den Startpunkt beschreibt – die tatsächliche Tilgung steigt im Laufe der Zeit an, was als Tilgungsverrechnung bezeichnet wird.

  1. Schritt 1: Jährliche Annuität berechnen: Darlehensbetrag × (Zinssatz + Tilgungsrate)
  2. Schritt 2: Monatliche Rate: Jährliche Annuität ÷ 12
  3. Schritt 3: Monatlicher Zinsanteil: Restschuld × Zinssatz ÷ 12
  4. Schritt 4: Monatlicher Tilgungsanteil: Monatsrate − Zinsanteil
  5. Schritt 5: Neue Restschuld: Alte Restschuld − Tilgungsanteil

Annuität vs. andere Darlehensformen

Neben dem Annuitätendarlehen gibt es weitere Darlehensformen, die in bestimmten Situationen Vorteile bieten. Das endfällige Darlehen (nur Zinszahlung, Tilgung am Ende) kann für Kapitalanleger steuerlich interessant sein, ist aber mit höherem Risiko verbunden. Das Volltilgerdarlehen garantiert die vollständige Tilgung innerhalb der Zinsbindung und bietet oft einen Zinsvorteil von 0,1-0,2%. Variable Darlehen orientieren sich am Euribor und können bei fallenden Zinsen günstiger sein, bieten aber keine Planungssicherheit.

Praxisbeispiel

Darlehen: 250.000 €, Zinssatz: 3,5%, anfängliche Tilgung: 2%. Jährliche Annuität: 250.000 € × (3,5% + 2,0%) = 13.750 €. Monatliche Rate: 1.146 €. Monat 1: Zinsanteil 729 € (250.000 € × 3,5% ÷ 12) + Tilgungsanteil 417 €. Monat 120 (nach 10 Jahren): Zinsanteil 572 € + Tilgungsanteil 574 €. Nach 10 Jahren: Restschuld 196.250 €, gezahlte Zinsen 74.250 €, Tilgung 53.750 €. Der Tilgungsanteil ist von anfänglich 36% auf 50% der Rate gestiegen.

Tipps

  • Bei einem Annuitätendarlehen mit 2% anfänglicher Tilgung beträgt die tatsächliche Tilgung am Ende der Zinsbindung bereits 3-4% – berücksichtigen Sie diesen progressiven Effekt bei der Cashflow-Planung.
  • Nutzen Sie einen Tilgungsrechner, um den genauen Verlauf von Zins- und Tilgungsanteil über die Zinsbindung zu simulieren – so erkennen Sie, wie schnell die Restschuld tatsächlich sinkt.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist das Annuitätendarlehen in Deutschland so beliebt?

Das Annuitätendarlehen kombiniert Planungssicherheit durch konstante Raten mit automatisch steigender Tilgung. Investoren kennen ihre monatliche Belastung exakt und können den Cashflow präzise kalkulieren. Im Vergleich zu variablen Darlehen (in den USA oder UK üblich) bietet die deutsche Festzinskultur Schutz vor Zinsänderungsrisiken während der Zinsbindung. Zudem ist die Abwicklung einfach und transparent.

Wie verändert sich die Zins-Tilgungs-Zusammensetzung über die Zeit?

Bei einem typischen Darlehen mit 3,5% Zinsen und 2% anfänglicher Tilgung besteht die erste Monatsrate zu ca. 64% aus Zinsen und 36% aus Tilgung. Nach 10 Jahren liegt das Verhältnis bei ca. 50:50. Nach 20 Jahren überwiegt die Tilgung mit ca. 65%. Dieser progressive Effekt führt dazu, dass die Entschuldung mit zunehmender Laufzeit beschleunigt wird – ein wichtiger Vorteil des Annuitätendarlehens.

Was passiert mit der Annuität nach Ablauf der Zinsbindung?

Nach Ablauf der Zinsbindung muss eine Anschlussfinanzierung vereinbart werden, bei der ein neuer Zinssatz und gegebenenfalls eine neue Tilgungsrate festgelegt werden. Die Annuität ändert sich dann entsprechend. Steigt der Zinssatz, erhöht sich die monatliche Rate bei gleicher Tilgung. Fällt der Zinssatz, kann die Rate sinken oder die gesparte Zinsersparnis für eine höhere Tilgung verwendet werden. Es empfiehlt sich, die Anschlussfinanzierung 12-24 Monate vor Ablauf zu planen.