Finanzen

Zinssatz

Jährlicher Prozentsatz, der auf das Hypothekendarlehen erhoben wird

Redaktionell geprüft

Der Zinssatz ist der entscheidende Kostenfaktor bei der Immobilienfinanzierung und beeinflusst sowohl die monatliche Belastung als auch die Gesamtkosten des Darlehens über die gesamte Laufzeit. In Deutschland ist die Festzinskultur (Zinsbindung) ein besonderes Merkmal des Immobilienmarktes, das Investoren Planungssicherheit bietet. Das Verständnis der Zinsmechanismen ist für jeden Kapitalanleger unverzichtbar.

Sollzins vs. Effektivzins

Beim Vergleich von Finanzierungsangeboten müssen Investoren zwischen Sollzins (Nominalzins) und Effektivzins unterscheiden. Der Sollzins ist der reine Darlehenszins, mit dem die Zinskosten berechnet werden. Der Effektivzins (effektiver Jahreszins) berücksichtigt zusätzlich alle Nebenkosten der Finanzierung wie Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsgebühren und die Verrechnung der Tilgung. Der Effektivzins ist gesetzlich vorgeschrieben und ermöglicht den fairen Vergleich verschiedener Angebote.

  • Sollzins: Reiner Darlehenszins, Basis für die Zinsberechnung
  • Effektivzins: Gesamtkosten inkl. aller Nebenkosten, gesetzlich vorgeschriebene Vergleichsgröße
  • Differenz: Typischerweise 0,1-0,3 Prozentpunkte zwischen Soll- und Effektivzins
  • Regel: Immer den Effektivzins verschiedener Angebote vergleichen

Zinsbindung und Anschlussfinanzierung

Die Zinsbindung ist die Periode, für die der Zinssatz festgeschrieben ist. In Deutschland sind 10 und 15 Jahre die gängigsten Zinsbindungsfristen. Nach Ablauf der Zinsbindung muss eine Anschlussfinanzierung zu den dann aktuellen Marktzinsen verhandelt werden. Bei steigenden Zinsen kann dies zu einer deutlich höheren monatlichen Belastung führen. Investoren können bereits bis zu 5 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung ein sogenanntes Forward-Darlehen abschließen, um sich aktuelle Zinsen für die Zukunft zu sichern – gegen einen Aufschlag von ca. 0,01-0,03% pro Monat Vorlaufzeit.

  • 5 Jahre Zinsbindung: Niedrigster Zinssatz, aber höchstes Anschlussrisiko
  • 10 Jahre Zinsbindung: Guter Kompromiss aus Zinssatz und Sicherheit (Standard)
  • 15 Jahre Zinsbindung: Höhere Planungssicherheit, ca. 0,3-0,5% Aufschlag
  • 20-30 Jahre Zinsbindung: Maximale Sicherheit, aber deutlicher Zinsaufschlag

Einflussfaktoren auf den individuellen Zinssatz

Der individuelle Zinssatz hängt von mehreren Faktoren ab. Die Eigenkapitalquote ist der wichtigste: Je mehr Eigenkapital, desto niedriger der Zins, da das Risiko für die Bank sinkt. Bei Kapitalanlagen verlangen Banken typischerweise 0,1-0,3% höhere Zinsen als bei Eigennutzung. Auch die Bonität des Kreditnehmers, die Lage und der Zustand der Immobilie, die Höhe der Tilgung sowie die gewählte Zinsbindungsdauer beeinflussen den Zinssatz erheblich.

Praxisbeispiel

Vergleich zweier Finanzierungsangebote für 200.000 € Darlehen, 2% Tilgung: Angebot A: Sollzins 3,40%, Effektivzins 3,52%, 10 Jahre Zinsbindung. Monatsrate: 900 €, Zinskosten über 10 Jahre: 56.800 €, Restschuld: 156.800 €. Angebot B: Sollzins 3,70%, Effektivzins 3,78%, 15 Jahre Zinsbindung. Monatsrate: 950 €, Zinskosten über 15 Jahre: 79.200 €, Restschuld: 108.200 €. Obwohl Angebot B teurer erscheint, bietet es 5 Jahre mehr Planungssicherheit und eine um 48.600 € niedrigere Restschuld.

Tipps

  • Vergleichen Sie immer den Effektivzins, nicht den Sollzins – nur so erkennen Sie die tatsächlichen Gesamtkosten der Finanzierung inklusive aller Nebengebühren.
  • In Zeiten steigender Zinsen empfiehlt sich eine längere Zinsbindung (15-20 Jahre), auch wenn der Zinssatz etwas höher ist – die Planungssicherheit überwiegt den Zinsaufschlag langfristig.

Häufig gestellte Fragen

Wie finde ich den besten Zinssatz für meine Immobilienfinanzierung?

Vergleichen Sie mindestens 3-5 Bankangebote und nutzen Sie unabhängige Finanzierungsvermittler wie Interhyp, Dr. Klein oder Baufi24. Diese haben Zugang zu hunderten Banken und können oft bessere Konditionen vermitteln. Achten Sie auf den Effektivzins, Sondertilgungsoptionen und die Möglichkeit des Tilgungssatzwechsels. Auch Ihre Hausbank sollte ein Angebot abgeben, da Bestandskunden manchmal Sonderkonditionen erhalten.

Was ist ein Forward-Darlehen?

Ein Forward-Darlehen ermöglicht es, sich den aktuellen Zinssatz bereits bis zu 60 Monate vor Ablauf der bestehenden Zinsbindung für die Anschlussfinanzierung zu sichern. Pro Monat Vorlaufzeit wird ein Aufschlag von ca. 0,01-0,03% berechnet. Bei einem Forward-Darlehen mit 24 Monaten Vorlauf sind das 0,24-0,72% Aufschlag. Es lohnt sich, wenn steigende Zinsen erwartet werden und der Aufschlag geringer ist als der prognostizierte Zinsanstieg.

Kann ich nach 10 Jahren aus jedem Darlehen aussteigen?

Ja, gemäß § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB hat jeder Darlehensnehmer nach 10 Jahren Darlehenslaufzeit ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht mit 6 Monaten Kündigungsfrist, unabhängig von der vereinbarten Zinsbindung. Das gilt auch für 15- oder 20-jährige Zinsbindungen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt in diesem Fall nicht an. Dieses Recht ermöglicht es, zu einer günstigeren Bank zu wechseln, wenn die Zinsen in der Zwischenzeit gesunken sind.