Kennzahlen

Mietrendite

Jährliche Mieteinnahmen als Prozentsatz des Immobilienwerts

Redaktionell geprüft

Die Mietrendite ist die zentrale Kennzahl für Immobilieninvestoren, um die Ertragskraft einer Immobilie schnell einzuschätzen. Sie zeigt das Verhältnis zwischen Mieteinnahmen und Kaufpreis und ermöglicht den direkten Vergleich verschiedener Objekte. Ein fundiertes Verständnis der Brutto- und Nettomietrendite ist entscheidend für erfolgreiche Investitionsentscheidungen am deutschen Immobilienmarkt.

Bruttomietrendite vs. Nettomietrendite

Die Bruttomietrendite berechnet sich aus der Jahreskaltmiete geteilt durch den Kaufpreis und gibt einen ersten Überblick. Die Nettomietrendite berücksichtigt zusätzlich alle nicht umlegbaren Bewirtschaftungskosten wie Verwaltung, Instandhaltungsrücklage und Leerstandsrisiko. Erfahrene Investoren betrachten immer die Nettomietrendite, da sie die tatsächliche Ertragskraft wesentlich genauer abbildet. Die Differenz zwischen Brutto- und Nettorendite beträgt in der Praxis oft 1-2 Prozentpunkte.

  • Bruttomietrendite: Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100
  • Nettomietrendite: (Jahreskaltmiete − nicht umlegbare Kosten) ÷ (Kaufpreis + Nebenkosten) × 100
  • Typische Bruttomietrendite in A-Städten: 2,5-3,5%
  • Typische Bruttomietrendite in B-/C-Städten: 4,0-6,0%

Mietrendite nach Standort in Deutschland

Die Mietrenditen variieren in Deutschland erheblich nach Standort. In den sieben A-Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf) liegen die Bruttomietrenditen aufgrund hoher Kaufpreise oft nur bei 2,5-3,5%. Mittelgroße Städte wie Leipzig, Dresden, Essen oder Dortmund bieten dagegen häufig 4-6% Bruttorendite. Investoren müssen abwägen: Höhere Renditen in B-/C-Lagen gehen oft mit höherem Leerstandsrisiko und geringerer Wertsteigerung einher.

  • München: ca. 2,5-3,0% Bruttorendite – niedrigste Renditen, aber stabiler Markt
  • Berlin: ca. 3,0-3,5% – stark reguliert durch Mietpreisbremse
  • Leipzig, Dresden: ca. 4,5-5,5% – steigende Nachfrage, gute Perspektive
  • Ruhrgebiet: ca. 5,0-7,0% – höhere Renditen, aber heterogene Lagen

Einflussfaktoren auf die Mietrendite

Zahlreiche Faktoren beeinflussen die erzielbare Mietrendite. Neben dem Kaufpreis und der Miethöhe spielen die Mietpreisbremse, die energetische Qualität des Gebäudes, die Mikrolage und die demografische Entwicklung eine entscheidende Rolle. Nach der Energieeffizienz-Verschärfung achten Mieter zunehmend auf den Energieausweis, was sich auf die erzielbare Miete auswirkt. Zudem beeinflussen Faktoren wie Ausstattungsstandard, Balkon oder Parkplatz die Miethöhe direkt.

Praxisbeispiel

Kaufpreis einer 60-m²-Wohnung in Leipzig: 150.000 €. Nebenkosten (Notar, Grunderwerbsteuer, Makler): 16.500 €. Monatliche Kaltmiete: 600 €. Jahreskaltmiete: 7.200 €. Nicht umlegbare Kosten (Verwaltung, Instandhaltung, Leerstand): 1.400 €/Jahr. Bruttomietrendite: 7.200 € ÷ 150.000 € = 4,8%. Nettomietrendite: (7.200 € − 1.400 €) ÷ (150.000 € + 16.500 €) = 3,48%.

Tipps

  • Vergleichen Sie immer die Nettomietrendite, nicht die Bruttomietrendite – erst nach Abzug aller nicht umlegbaren Kosten kennen Sie die wahre Ertragskraft.
  • Prüfen Sie die ortsübliche Vergleichsmiete im Mietspiegel, um realistische Mieteinnahmen zu kalkulieren und sicherzustellen, dass die aktuelle Miete nicht überhöht ist.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine gute Mietrendite in Deutschland?

Eine gute Bruttomietrendite liegt in Deutschland je nach Standort zwischen 4% und 6%. In A-Städten wie München oder Hamburg sind 3% bereits akzeptabel, da hier die Wertsteigerung die niedrigere laufende Rendite kompensiert. In B- und C-Städten sollten Investoren mindestens 5% Bruttorendite anstreben, um Risiken wie Leerstand und geringere Wertsteigerung auszugleichen.

Wie beeinflusst die Mietpreisbremse die Mietrendite?

Die Mietpreisbremse begrenzt die Miete bei Neuvermietung auf maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete in angespannten Wohnungsmärkten. Dies kann die erzielbare Mietrendite erheblich einschränken, insbesondere in Städten wie Berlin, München oder Hamburg. Ausnahmen bestehen für Neubauten und umfassend modernisierte Wohnungen. Investoren sollten die Mietpreisbremse bei der Kalkulation stets berücksichtigen.

Sollte ich die Mietrendite oder die Wertsteigerung priorisieren?

Das hängt von Ihrer Anlagestrategie ab. Cashflow-orientierte Investoren priorisieren hohe Mietrenditen in B-/C-Lagen. Wachstumsorientierte Investoren akzeptieren niedrigere Renditen in A-Lagen mit hohem Wertsteigerungspotenzial. Ideal ist eine Kombination: Mindestens ausreichend Mietrendite für positiven Cashflow bei gleichzeitig guten Wertsteigerungsperspektiven. Die Gesamtrendite (Total Return) aus Mietrendite plus Wertsteigerung ist entscheidend.