Kennzahlen

ROI (Return on Investment)

Gesamtrendite auf investiertes Kapital einschließlich Cashflow und Wertsteigerung

Redaktionell geprüft

Der Return on Investment (ROI) ist die wichtigste Kennzahl, um den Gesamterfolg einer Immobilieninvestition zu bewerten. Anders als die Mietrendite berücksichtigt der ROI sämtliche Ertragsquellen: laufende Mieteinnahmen, Wertsteigerung und Schuldenabbau. Für deutsche Immobilieninvestoren ist ein präzises ROI-Verständnis unverzichtbar, da die hohen Nebenkosten die Anfangsrendite erheblich beeinflussen.

Die drei Säulen des Immobilien-ROI

Der ROI einer Immobilieninvestition setzt sich aus drei wesentlichen Komponenten zusammen. Erstens der laufende Cashflow aus Mieteinnahmen nach allen Kosten. Zweitens die Wertsteigerung der Immobilie, die in Deutschland langfristig bei durchschnittlich 2-4% pro Jahr liegt. Drittens der Vermögensaufbau durch Tilgung, da der Mieter praktisch Ihre Schulden abbezahlt. Erst die Betrachtung aller drei Säulen ergibt ein realistisches Bild der Gesamtrendite.

  • Cashflow-Rendite: Jährlicher Netto-Cashflow ÷ eingesetztes Eigenkapital
  • Wertsteigerungsrendite: Jährliche Wertänderung ÷ eingesetztes Eigenkapital
  • Tilgungsrendite: Jährliche Tilgung ÷ eingesetztes Eigenkapital
  • Gesamt-ROI: Summe aller drei Komponenten

ROI-Berechnung bei deutschen Immobilien

Bei der ROI-Berechnung für deutsche Immobilien ist es entscheidend, das tatsächlich eingesetzte Eigenkapital korrekt zu erfassen. Dieses umfasst nicht nur die Eigenkapitalquote am Kaufpreis, sondern auch die gesamten Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler), die typischerweise 10-15% des Kaufpreises betragen. Viele Investoren unterschätzen die Nebenkosten und berechnen einen zu hohen ROI. Zudem sollte die steuerliche Wirkung berücksichtigt werden: Abschreibungen und Werbungskosten reduzieren die Steuerlast und verbessern den ROI nach Steuern.

  1. Schritt 1: Gesamtes Eigenkapital ermitteln (Eigenkapitalanteil + Nebenkosten)
  2. Schritt 2: Jährlichen Netto-Cashflow berechnen
  3. Schritt 3: Jährliche Tilgung ermitteln
  4. Schritt 4: Geschätzte jährliche Wertsteigerung berechnen
  5. Schritt 5: ROI = (Cashflow + Tilgung + Wertsteigerung) ÷ Eigenkapital × 100

ROI im Zeitverlauf

Der ROI einer Immobilieninvestition verändert sich über die Haltedauer erheblich. In den ersten Jahren ist der ROI oft niedrig oder sogar negativ, da die Nebenkosten das eingesetzte Kapital belasten und die Wertsteigerung die Kaufkosten noch nicht kompensiert hat. Ab dem dritten bis fünften Jahr verbessert sich der ROI typischerweise deutlich, da die Mieten steigen, die Tilgung wächst und die Wertsteigerung wirkt. Langfristig (10+ Jahre) erreichen gut gewählte Immobilien in Deutschland oft einen Gesamt-ROI von 8-15% pro Jahr auf das eingesetzte Eigenkapital.

Praxisbeispiel

Kaufpreis: 300.000 €. Nebenkosten: 36.000 € (12%). Darlehen: 240.000 €. Eingesetztes Eigenkapital: 96.000 € (60.000 € + 36.000 € Nebenkosten). Jährlicher Netto-Cashflow: 1.800 €. Jährliche Tilgung (2%): 4.800 €. Geschätzte Wertsteigerung (2%): 6.000 €. Gesamt-ROI im 1. Jahr: (1.800 € + 4.800 € + 6.000 €) ÷ 96.000 € = 13,1%. Davon: Cashflow-Rendite 1,9%, Tilgungsrendite 5,0%, Wertsteigerungsrendite 6,3%.

Tipps

  • Berechnen Sie den ROI immer auf Basis des gesamten eingesetzten Eigenkapitals inklusive Nebenkosten – nur so erhalten Sie eine realistische Renditeeinschätzung.
  • Vergleichen Sie den ROI Ihrer Immobilieninvestition mit alternativen Anlagen wie ETFs (langfristig ca. 7-8% p.a.) – der Leverage-Effekt der Immobilienfinanzierung kann den ROI auf das Eigenkapital deutlich steigern.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein guter ROI für Immobilieninvestitionen in Deutschland?

Ein guter Gesamt-ROI liegt in Deutschland bei 8-15% pro Jahr auf das eingesetzte Eigenkapital. Dabei stammen typischerweise 1-3% aus Cashflow, 3-5% aus Tilgung und 2-5% aus Wertsteigerung. In A-Städten fällt der Cashflow-Anteil geringer aus, dafür ist die Wertsteigerung höher. In B-/C-Städten ist es umgekehrt. Ein ROI unter 5% sollte kritisch hinterfragt werden.

Wie unterscheidet sich der ROI von der Mietrendite?

Die Mietrendite betrachtet nur die Mieteinnahmen im Verhältnis zum Kaufpreis und ignoriert Finanzierung, Wertsteigerung und Tilgung. Der ROI hingegen berücksichtigt alle Ertragsquellen und bezieht sich auf das tatsächlich eingesetzte Eigenkapital. Durch den Leverage-Effekt kann der ROI deutlich höher sein als die Mietrendite. Eine Immobilie mit nur 4% Mietrendite kann durch 80% Finanzierung und Wertsteigerung einen ROI von 12%+ erzielen.

Warum ist der ROI im ersten Jahr oft niedriger?

Im ersten Jahr belasten die Nebenkosten (10-15% des Kaufpreises) das Ergebnis erheblich. Da diese Kosten sofort anfallen, aber die Wertsteigerung erst über die Zeit wirkt, ist der effektive ROI anfangs geringer. Zudem kann es zu anfänglichem Leerstand bei Erstvermietung kommen, und eventuelle Renovierungskosten fallen an. Ab dem zweiten bis dritten Jahr normalisiert sich der ROI, da Mieten steigen und die einmaligen Kosten bereits berücksichtigt sind.